Aber es wird der Fachkräftemangel in Österreichs IT-Branche behandelt und auch mit Quellen belegt.
Maria Moliboga hat in Ihre Seminararbeit
"Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs" welches auf Webseite der Wirtschaftsuniversität Wien mit 24. Juni 2002 upgeloadet wurde mit dem Ziel einen "Überblick über die aktuelle Lage und Tendenzen auf dem IT-Stellenmarkt Österreichs zu geben." gewidmet.
Diese ist die einzige Quelle, welche in diesem Blog-Eintrag verwende, da es wirklich viel Arbeit wäre zum Thema IT-Fachkräfte in Österreich eigene Recherchen anzustellen.
Es ist daher fabelhaft, dass diese Arbeit bereits getan wurde, da zentrale Elemente der Seminararbeit sich für diesen Blog-Eintrag auch eignen der über einen Mythos aufklären soll
Nun darf ich einige der wesentlichen Aussagen aus Frau Molibogas Seminararbeit zitieren (zu denen ich optional einen Kommentar äußere, um meine Gedanken dazu aufzuzeigen).
"Die Knappheit der IT-Kräfte"
Seite 19
" In dem letzten Jahr wurde aber der IT-Sektor einem Normalisierungsprozess
unterworfen. Zu dieser „Normalisierung“ gehört z.B., dass der enorme Bedarf an
Fachkräften, derzudem in der Öffentlichkeit zumeist übertrieben dargestellt wurde, in
dieser Form nicht mehr existiert. Es werden zwar nach wie vor IT-Fachkräfte gesucht,
aber in weit geringerem Ausmaß und vor allem nur noch im Bereich hochqualifizierter
SpezialistInnen. Das deutet darauf hin, dass es nicht mehr um Expansion und
quantitatives (Beschäftigungs-)Wachstum geht, sondern stärker um Konsolidierung und
Spezialisierung [Kren02].
Laut einer Studie von Roman Strauss Partner Unternehmensberatung GmbH, bei der 54
Top Unternehmen der IT- und Telekom-Branche befragt worden sind, sind zwei Drittel
(62 Prozent) der IT- und Telekom-Unternehmen der Meinung, dass immer mehr
qualifizierte Leute, immer weniger adäquaten Positionen gegenüber stehen. Dies
bedeutet, dass sich der Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen innerhalb des letzten
Jahres gedreht hat. Nur mehr ein Viertel der Befragten (25 Prozent) ist gegenteiliger
Ansicht. Entstehender Personalbedarf kann relativ schnell wieder gedeckt werden
[JNWK02]."
Der angebliche Mangel an MitarbeiterInnen im IT/Telekomumfeld wird von 18 Prozent
der Befragten als Überzeichnung durch die Medien gesehen, möglicherweise sei der
Wandel den der Markt im Laufe des vergangenen Jahres durchgemacht hat, für Medien
nicht transparent genug. In 55 Prozent der österreichischen IT- und Telekom-
Unternehmen herrscht derzeit kein Mangel an Arbeitskräften. Und 85 Prozent dieser
Unternehmen sehen auch in Zukunft keine Probleme durch zu wenige Arbeitskräfte auf
sich zukommen[JNWK02].
-Maria Moliboga "Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs"
Im März 2000 war erst die Dotcom-Blase geplatzt, ich denke in diesem Zusammenhang ist die sogenannte "Normalisierung" zu verstehen, welche die Suche nach IT-Fachkräften in niedrigerem Ausmaß als zuvor zur Folge hatte.
Nochmals ist davon nicht abzuschätzen, ob im Jahre 2015 die Nachwirkungen immer noch spürbar sind, umso interessanter aber sind die Stellungsnahmen aus der Studie der Robert Strauss Partner Unternehmens Beratung GesmbH, wonach 62% der befragten IT/IKT-Unternehmen die Meinung vertreten hatten, dass Anfang der 2000er immer mehr qualifizierte IT/ITKler weniger passenden Positionen zur Auswahl hatten.
Zwar waren noch 25% der Unternehmen weiterhin der Meinung des Mainstreams (Fachkräftemangel), aber das ist eine Minderheit.
Wobei gerade im hier genannten letzten Absatz genau aufgezeigt wie es auch heute vermutlich unverändert ist, dass man schon damals die Wahrheit teilweise in den Medien verkehrt herum abbildete, "Der angebliche Mangel an MitarbeiterInnen im IT/Telekomumfeld wird von 18 Prozent der Befragten als Überzeichnung durch die Medien gesehen".
Seite 19/20
"„Kein Mangel“ bedeutet nicht gleich „Kein Bedarf“. Aufgrund der Daten ist eine Wende
am Arbeitsmarkt nicht zu leugnen. Die Situation ist jedoch differenziert: Nach wie vor
gibt es in bestimmten Segmenten einen deutlichen Bedarf. Die höchste Nachfrage
herrscht unverändert im Bereich Entwickler und Programmierer mit Spezialkenntnissen
(27 Prozent der Unternehmen klagen hier über einen Mangel), Technischer Berater und
Consulter (22 Prozent) sowie gut qualifizierter Vertriebsmitarbeiter (20 Prozent). Auch
wenn sich die Quantität verändert hat, die Art der nachgefragten Qualifikationen ist die
gleiche geblieben. [vgl. JNWK02]. Vor allem sind die fachlich-technischen Anforderungen
an den meisten Arbeitsplätzen in der Branche in den letzten Jahren eindeutig gestiegen
sind. Durch die Krise in der New Economy und den Zusammenbruch vieler Start-ups,
aber auch durch den Personalabbau in großen IT-Unternehmen ist wieder mehr
qualifiziertes Personal am Arbeitsmarkt, so dass Verdrängungseffekte von weniger
Qualifizierten und umgeschulten Arbeitskräften im Gange sind [Flec02]."
-Maria Moliboga "Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs"Dieser zitierte Abschnitt ist sehr wichtig, er erklärt nämlich, woran es wirklich "mangelt" wenn von einem Fachkräftemangel seitens Wirtschaftskammer, Unternehmen und Arbeitgebern und anderen Experten die Rede ist.
Es offenbart sich, dass lediglich Entwickler/Programmierer, Technische Berater/Consulter und gut qualifizierte Vertriebsmitarbeiter zu den Mangelberufen zählen.Das aber die IT auch die Unter-Bereiche wie Hardware, Netzwerke und Mediengestaltung
enthält wird oftmals außer Acht gelassen.
Die Erstellerin der Seminararbeit hat die IT-Berufe in 5 Rubriken unterteilt:
Hardware-, Software-, Netzwerke-,Mediengestaltung- und Allroundertätigkeiten gegliedert
In dem Jahr 2002 war also der größte Bedarf in lediglich 2 Rubriken der IT (nicht der gesamten IT).
Damit es auch einen Überblick darüber gibt was Unternehmer über Bewerber dachten, habe ich noch aus der Seminararbeit ein Zitat eingefügt:
Seite 20
" Die Unternehmen orten bei den Bewerbern insgesamt einen Mangel, wenn es um die
ideale Mischung aus guter Fachausbildungen gepaart mit Zusatzqualifikationen sowie
Erfahrung in der Praxis geht. Die Unternehmen suchen sich ihre Mitarbeiter wieder
kritischer aus, fordern mehr an Erfahrung für weniger an Bezahlung. Aus Sicht der
Unternehmen werden die Arbeitskräfte am IT- und Telekommunikationsmarkt ihre
hohen Gehaltvorstellungen an die veränderten Verhältnisse anpassen müssen
[JNWK02].
Auch wenn „High Performer“ nach wie vor gefragt sind, kann man die Situation am
Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmer nicht als angespannt bezeichnen. Um einen
potentiellen Mangel zu begegnen, verlassen sich die Befragten zu einem guten Teil auf
firmeninterne Maßnahmen. Für 56 Prozent der österreichischen IT und
Telekommunikations-Unternehmen gehört die verstärkte firmeninterne Ausbildung zum
wichtigsten Mittel um einem Mangel an qualifiziertem Personal entgegen zu wirken.
Weiters zählt mehr als ein Drittel die externe Suche mit Eigeninseraten als möglichen
Weg, zu guten Mitarbeitern zu kommen. Nur 6 Prozent der befragten Unternehmen hält
das AMS für geeignet, wenn es darum geht den Bedarf an Arbeitskräften zu decken
[JNWK02]. "
-Maria Moliboga "Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs"
"Beschäftigungschancen für umgeschulte Arbeitskräfte"
Seite 21
" In der Phase des expansiven Wachstums der Branche bestanden durchaus Möglichkeiten
für QuereinsteigerInnen Fuß zu fassen. Allerdings galt dies nicht für alle Bereiche der
Branche im gleichen Ausmaß, sondern war auf bestimmte Teilbereiche, Unternehmen
und Berufsfelder beschränkt. Besonders gut waren die Chancen im
Telekommunikationssektor, wo in den letzten Jahren durch die Entwicklung der mobilen
„Telefonie“ ein ungeheurer Personalbedarf gegeben war, der ohne die Integration von
umgeschulten Arbeitskräften und QuereinsteigerInnen nicht hätte gedeckt werden
können. In diesem Bereich war die Expansion quantitativ so stark, dass kaum große
Auslesemöglichkeiten bei der Rekrutierung bestanden. Wer einigermaßen ins Profil
passte, wurde aufgenommen. Unter den Bedingungen eines zeitkritischen und
zahlenmäßig hohen Personalbedarfs werden umgeschulte Arbeitskräfte quer durch die
verschiedenen Berufsfelder eingestellt, SoftwareentwicklerInnen ebenso wie
Datenbankdesigner und System- und Netzwerkadministratoren. Wenn man von dieser
besonderen Situation absieht, werden in der Einschätzung, welche IT-Berufsfelder sich
für einen Einsatz von EinsteigerInnen eignen, doch Unterschiede sichtbar. So werden die
Bereiche Support, Help-Desk bzw. System- und Netzwerkadministration als jene
Berufsfelder angesehen, in denen eine Integration von QuereinsteigerInnen im Hinblick
auf die Anforderungen an den Arbeitsplätzen leichter möglich ist. Demgegenüber wird
Software- und Datenbankentwicklung im allgemeinen als zu voraussetzungsvoll
betrachtet, um die Anforderungenmit dem Wissen aus sechsmonatigen
Umschulungskursen zu bewältigen. Was dieweniger qualifizierten Tätigkeiten im Bereich
der Software-Entwicklung betrifft, spielt hier auch die Erwartung einer Verlagerung von
reinen Codierungsarbeiten in die mittelund osteuropäischen Nachbarländer herein
[Kren02]."
-Maria Moliboga "Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs"
In diesem Abschnitt hat die Autorin recht interessant geschildert, wie es für Quereinsteiger in den Jahren bis 2002 aussah, wenn diese in die IKT-Branche wechselten.
Es liest sich klar heraus, dass es Jobs in der IT gibt (Help-Desk, Support, System- /Netzwerk -Administration), in welchen ein Quereinstieg eher möglich ist und wo dieser keinen Sinn macht: Software-Entwicklung/Datenbankentwicklung.
Nun wäre es allerdings immer noch möglich, dass im Jahre 2002 in der IT-Branche bzw. für Techniker sicher mehr als genug Jobs verfügbar waren, was in Zahlen die Betitelung eines Fachkräftemangels decken würde.
"IT-Stellenmarkt Österreichs. Entwicklungen und Tendenzen"
Seite 17
"Die Arbeitslosigkeit in der EDV-Branche ist in diesem Jahr kräftig gestiegen. Insgesamt
waren es im April 2002 231.167 Menschen ohne Job laut AMS (vgl. Tabelle 3-1). Das
sind um 20,8% mehr Arbeitslosen als im Vorjahr. Bei den techischen Berufen, unter
denen die EDV-Berufe aufgelistet sind, sind die Zahlen noch höher. Es waren in diesem
Bereich im April 2002 8.085 Arbeitslosen vorgemerkt, was eine Erhöhung der
Arbeitslosenanzahl gegenüber Vorjahr um 56,8% bedeutet. Das AMS erfasst in dieser
Quote Diplomingenieure und Ingenieure für Datenverarbeitung sowie sonstige Technikerfür Datenverarbeitung. "
-Maria Moliboga "Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs"
Auf Seite 17 finden wir also heraus, dass im April 2002 8085 Personen aus technischen Berufen ohne Job beim AMS gemeldet waren.
Seite 18
"Was die gemeldeten offene Stellen betrifft, so gab es seit April 2001 bis April 2002 ein
Rückgang von 795 Stellen der technischen Berufen, was eine 23,6% Veränderung
gegenüber dem Vorjahr beträgt (vgl. Tabelle 3-2). Insgesamt waren im April 2002 1.028
offene Stellen für die Techniker gemeldet, dabei aber 8.085 arbeitslose Techniker. "
-Maria Moliboga "Analyse des Marktes für Fachkräfte für IT-Bereich Österreichs"
Wir erfahren, dass im April des Jahres 2002 überhaupt nur 1028 offene Stellen für technische Berufe existierten.
In der gleichen Zeit waren 8085 Techniker beim AMS gemeldet.
Selbst also, wenn jede der offenen Stellen in diesem Monat besetzt worden wäre, wären weiterhin 7057 Techniker österreichweit ohne Job geblieben.
Es gab also im April 2002 eher einen Job-Mangel für Techniker als einen Fachkräftemangel bei den Technikern!
Abschließend ist festzustellen:
Natürlich kann man diese Zahlen und diese Vorkommnisse niemals auf 2015 umlegen.
Aber es hilft zu verstehen warum wir auf der einen Seite in den Medien und anderen Organisationen von "IT-Fachkräfte-Mangel" lesen und hören, und auf der anderen Seite so viele Österreicher aus der IT und IKT ohne Job da stehen.
Nicht überall in der IT herrscht ein Fachkräftemangel, und nicht jede seitens Arbeitgeber ausgeschriebene Stelle (Entwickler, Consulter, Vertriebsmitarbeiter) passt auch mit den suchenden Arbeitnehmern zusammen.
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