Anlässlich einer Presse "Quergeschrieben"-Kolumne fühle ich mich erinnert an das Jahr 2009 dem ersten Jahr, in dem die Studiengebühr durch eine seltsame Allianz von SPÖ-FPÖ und Grüne abgeschafft wurde.
Ich bin ehrlich, auch ich war damals ein "Student" der zunächst Publizistik und im nachfolgenden Semester Astronomie studierte. Nach der Matura im Jahr 2009 selbstverständlich.
Jetzt aber genug über meinen früheren Werdegang zurück zum Kommentar.
Frau Gudula Walterskirchen schreibt (auszugsweise):
"2005 beschied der Europäische Gerichtshof, dass Österreicher gegenüber anderen EU-Bürgern beim Studienzugang nicht mehr bevorzugt werden dürfen. Österreich setzte zwar in bestimmten Fächern, etwa Medizin, eine 75-Prozent-Quote für Inländer durch. Diese gilt jedoch nur noch bis Ende 2016. Bis zum Sommer muss die Regelung schlüssig begründet werden, sonst fällt sie wieder.
Dass es sich dabei nicht um ein Randproblem handelt, zeigen allein die Zahlen: Im Schnitt stammt ein Drittel der Studenten an österreichischen Unis aus dem Ausland. Am Mozarteum in Salzburg und an der Med Uni Innsbruck sind es gar 64 bzw. 50 Prozent. Das ist ein internationaler Spitzenwert. Allerdings ist dies weder für die Unis noch für den Steuerzahler ein Grund zum Jubeln – im Gegenteil.
Die meisten Studenten aus dem Ausland verlassen das Land nach Abschluss ihres Studiums wieder. Wir investieren also enorme Summen in junge Menschen, die ihr Wissen dann in anderen Ländern anwenden. Viele hatten nie vor, in Österreich zu bleiben, anderen wird es aufgrund absurder bürokratischer Hürden verwehrt, hier zu arbeiten.
Die frühere Sorge, dass die Gleichstellung der Ausländer viele Numerus-clausus-Flüchtlinge aus Deutschland anziehen würde, war mehr als berechtigt. Ihre Zahl vervierfachte sich nach dem EuGH-Urteil. Wir bekommen aber nicht die besten Köpfe, sondern jene, die aufgrund mangelnder Leistungen zu Hause keinen Studienplatz erhalten.
Die Entwicklung zur Massenuniversität hat Qualitätsmängel verstärkt, worunter Studenten wie Lehrende leiden. Die Zeit für Forschung wird immer knapper zugunsten von Massenveranstaltungen. Dass die fähigsten Köpfe bei diesem Arbeitsalltag abwandern, ist logisch. Außerdem bietet ihnen das starre System zu wenige Chancen für Karrieren an den Unis, außerordentliche Leistungen werden zu selten belohnt. Für die Studenten wiederum bedeutet das Studium zermürbendes Gerangel: um einen Sitzplatz im überfüllten Hörsaal, um einen Prüfungstermin, um einen Seminar- oder Übungsplatz."
- Die Presse vom 31.01.2016.
Das Stichwort "Numerus-clausus-Flüchtlinge" war im Wahlkampf zur Nationalratswahl 2008 ein sehr beliebtes Schlagwort, anders als die FPÖ war das BZÖ gegen die Abschaffung der Studiengebühren gerade aus Befürchtung einer Zunahme deutscher sowie weiterer ausländischer Studenten, die nun mehr bei Abschaffung einer Studiengebühr Österreich als Studenten-Paradies ansehen könnten.
Der Vollständigkeit sollte aber gesagt werden, dass wenn man sich heute die Job-Inserate ansieht, vorwiegend bei Einstiegspositionen entweder Lehrlings-Positionen oder Positionen die Studium voraussetzen angeboten werden.
Kurzgesagt: "Suchen den besten des Jahrganges" oder "Suchen Studenten der ideal vor Abschluss seines Studiums steht" ist keine Seltenheit mehr bei den Stellenausschreibungen auf diversen Job-Plattformen.
Das ist jetzt ganz egal ob man auf den Jobservices von diepresse, derstandard, kurier oder sämtlichen jobcrawlern nachsieht, diese Formulierungen werden nicht wenige bei Einstiegs-Anstellungen.
Was bewirkt aber diese Rhetorik? Nun, ich werde jetzt wieder einen Bogen zu "Flüchtlingen" spannen, diesmal allerdings nicht den Studenten -Flüchtlingen.
Angela Merkel die deutsche Bundeskanzlerin hat die ganze Welt nach Europa eingeladen, in der Folge hat sich jeder der konnte von fern der Welt aufgemacht ins gelobte Land Deutschland.
Was passiert, wenn Firmen also nur noch Studenten im Studium einstellen oder Lehrlinge?
Ja genau, immer mehr jungen Absolventen einer HTL,AHS oder HAK begingen Schein-Studien nur damit sie einen Beruf nachgehen in der bevorzugten Branche.
Auch ich habe das Mal versucht in meinen Anfängen. Es ist mir aber zu unehrlich gewesen und dem Steuerzahler gegenüber wollte ich nicht mehr kosten als nötig (soll heißen ein Studium mag zwar abgesehen von dem ÖH-Beitrag gratis sein, aber die Infrastruktur und andere Vergünstigungen, die allein schon durch den Besitz eines Studentenausweises entstehen werden von allen Steuerzahlern finanziert) aufbrummen.
Ferner dachte ich, es ist ehrlicher man sucht effektiv nach einer Anstellung, als nur an der Universität eingeschrieben zu sein um den Lebenslauf zu verschönern.
Doch, wenn ich jetzt die Inserate betrachte, die ausgeschrieben werden frage ich mich ernsthaft, was die Arbeitgeber von den jungen Menschen die noch weniger Berufserfahrung als ich aufweisen erwarten.
Soll jetzt jeder der null Interesse daran hat ernsthaft zu studieren nur zum Schein ein Studium beginnen um seine Chancen gegenüber länger (aber ehrlich) suchenden Bewerbern zu verbessern (da Praktika in der Regel nur an Schüler oder Studenten vergeben werden) ?
Oder geht man seitens Arbeitgeber wirklich davon aus, dass jeder/jede der ein Studium beginnt dieses auch brav zu Ende machen wird?
Denn auch nach mehreren erfolgreichen Jahren aufzugeben ist keine Seltenheit unter den Studenten aller Welt. Irgendwann ist es z.b. finanziell nicht mehr leistbar und ein Full-Time-Job ist die einzige Möglichkeit sich über Wasser zu halten.
Ich muss als Bürger der Republik Österreich und als tendenziell ehrlicher Mensch sagen: Ich denke nicht, dass sich die Arbeitgeber (großteils Großkonzerne) sich dessen bewusst sind, welche fatale Botschaft sie da aussenden, wenn diese immer häufiger Nulleinschulung anbieten wollen und lediglich noch Studenten eine Position zur Verfügung stellen, die man so nebenbei machen kann.
Natürlich ist mir klar, dass man im Ideal-Fall anstrebt, über Praktika rauszufiltern, welche Praktikanten später mal gute Manager oder Kandidaten für höhere Weihen Unternehmensintern werden könnten.
Ich denke aber nicht, dass das, allein der Anreiz ist denn man braucht, wenn es Interesse Nummer 1 sein sollte die Arbeitslosigkeit im Jahr 2016 zu senken und nicht zu erhöhen.
Es ist für ein Unternehmen schön und gut, wenn man Kosten einsparen kann, in dem man keine Einschulungen benötigt oder in dem man professionelle Studenten statt Fachschul, Lehr oder HTL-Abgänger anstellt.
Aber die möglicherweise gut qualifizierten Job-Suchenden sind durch dieses zwielichtige Spiel
gezwungen beim Job "downzugraden", oder sich der finanziellen Abhängigkeit vom Staat auszusetzen.
Bezug nehmend zum sehr unter Wirtschafts-Experten beliebten Spruch "Wer eine Arbeit finden will, findet eine" will ich ergänzen:
Wer eine bestimmte Arbeit finden will, findet nicht automatisch in der eigenen Region sofort eine Arbeit.
Wer irgendeine Arbeit will, der findet natürlich auch irgendeine Arbeit.
Von der Zeit der voll-automatisierten Job-Zuweisung nach Algorithmen eines Super-Computers, ähnlich sozialistischer Doktrin sind wir zum Glück noch entfernt.
Das hat aber den wesentlichen Vorteil, dass sich der Staat und die Wirtschaft Kritik anhören dürfen und so die Chance haben dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.
So wie man es von Mitarbeitern auch erwartet.
In einer Zukunft wo ein Super-Computer die Vital-Funktionen, Schul-Noten und andere Eigenschaften auswertet, wäre freilich zu befürchten, dass lauter Arbeiter herangezüchtet werden, denn soviel man jetzt weiß soll Industrie 4.0 ziemlich viele Positionen überflüssig machen.
Die Frage wäre eigentlich, gibt es noch Arbeit, die zukunftsresistent ist?
Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, zu dem auch ein weiterer "Maschinensturm"
nie ganz auszuschließen ist.
Allerdings läuft es im Moment darauf hinaus, dass die Wirtschaft viele Fake-Studenten heranzüchtet durch seine Haltung bei den Job-Kriterien.
Natürlich steht es auch jedem frei, nach einer Matura für 500-600€ eine Lehre zu beginnen.
Dann muss man sich aber auch bewusst sein, dass man eventuell Personen welche diese Lehre nötiger hätten, den Job wegnimmt (Stichwort "downgrade").
Eine Arbeitsmarktpolitik, wo Akademiker gezwungen sind, im Service-Bereich z.b. Gastro zu arbeiten, Gastroangestellte nun mehr als Reinigungskraft wird immer dazu führen, dass letztendlich die niedrigqualifiziertesten (in diesem Fall wahrscheinlich die vormalige Reinigungskraft) arbeitslos/beschäftigungslos ausgehen.
So ein Gesellschaftssystem muss dringend in seiner Arbeitsmarktpolitik reformiert werden.
Quelle:
"Der frustrierte Student an der Gratis-Massenuniversität" (Gudula Walterskirchen), diepresse.com, 31.01.2016
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