Montag, 1. August 2011

Der Fachkräftemangel - eine Lüge der Wirtschaft(skammer) Österreichs?

Vielerorts hört man immer wieder auch dieses Jahr von einem sogenannten Fachkräftemangel in Österreich.
So schreibt der Kurier infolge "der niedrigsten Arbeitslosenquote Europas"
folgendes:

Etliche Herausforderungen liegen noch
vor uns: Die Wirtschaft warnt zu Recht vor dem Damoklesschwert des
Fachkräftemangels.

Nun fragte sich nicht nur der Benjamin Heinrichs Blog, sondern sicher einige Leser auch, woher die Theorie es gäbe "Fachkräftemangel" seinen Ursprung hat.

Es war etwas Recherche-Arbeit nötig, aber nun wissen wir es:

Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist Quelle dieses "Ammenmärchens", so steht auf wko.at seit Anfang 2011 folgendes geschrieben


 Eines der größten Wachstumsrisiken sehen die heimischen Unternehmen im gerade wieder aufkeimenden Fachkräfte-Engpass. Bereits rund 70 Prozent der befragten Betriebe haben zumindest teilweise ein Problem bei der Besetzung offener Stellen. „Rund 40.000 Fachkräfte fehlen uns! Das bedeutet, dass wir Aufträge, die wir sonst bewältigen könnten, nicht annehmen können“, unterstrich Leitl.

Hinweis: Nicht die Unternehmen sagen, dass 40.000 Fachkräfte fehlen, sondern Leitl!


 Aus der Sicht des WKÖ-Präsidenten gibt es drei wirksame Hebel, um dem Fachkräftemangel gegenzusteuern: Einerseits müsse die Höherqualifizierung von heimischen Arbeitnehmern bzw. Arbeitssuchenden rasch voran getrieben werden. Zweitens werde Österreich von der  gerade vorgestellten Rot-Weiß-Rot-Card als Instrument der kriteriengesteuerten Zuwanderung profitieren können.
Ein dritter, ganz wesentlicher Punkt ergibt sich aus dem demografischen Wandel. Leitl: „Allein die Hälfte der Fachkräfte-Lücke könnten wir dadurch schließen, dass die Lebensarbeitszeit um zwei Jahre verlängert wird“. Erfahrene und in den Betrieben ausgezeichnet eingearbeitete Kräfte sollten länger auf ihrem Arbeitsplatz bleiben.

Eine Analyse dieses Absatzes zeigt sehr gut, dass die Wirtschaftskammer eigentlich nicht wirklich an Fachkräften interessiert ist sondern diese nur als Vorsatz nutzt "Höherqualifizierung" "kriteriengesteuerte Zuwanderung" sowie  die Verlängerung der Arbeitszeit um 2 (!) Jahre zu forcieren!

Es wird überhaupt nicht Stellung genommen:
1.)Welche Kriterien diese Fachkräfte erfüllen müssen (denn wenn die Unternehmen was ganz anderes verlangen als die Abgänger von HAK/HTL/AHS/FH/UNI/TU lernen, wird selbst der genialste Kopf von einem Unternehmen welches Fachkräfte sucht, nicht eingestellt!)

2.)Ob diese für national tätige oder international tätige Unternehmen mit Sitz in Österreich benötigt werden, geschweige denn ob diese Unternehmen mehrheitlich überhaupt in Wien Standorte haben(nicht jeder Bewerber hat unlimitierte Reisefreiheit, da ein fahrbarer Untersatz nur durch ein geregeltes Einkommen finanzierbar ist).

3.)Wie man gleichzeitig neben der "Höherqualifizierung" die Berufserfahrung von heimischen HTL-Absolventen steigern will (diese haben bis auf 8 Wochen via Pflichtpraktika keine weitere Berufserfahrung, jedoch verlangen fast alle Unternehmen eine Erfahrung von 1-3 Jahren für Berufseinsteiger(den meisten Unternehmen viel wichtiger als Allround-Talente), wenn wir etwa die Branche IT (Informationstechnologie) als Beispiel nehmen.


Der Benjamin Heinrichs Blog kennt aus Erzählungen Personen mit erfolgreich abgeschlossener
HTL-Ausbildung und sogar erste Berufserfahrung, welche aber sich sogar für Stellen mit einem Stundengehalt von
7-8 € (bei 160 Stunden im Monat) beworben haben aus Verzweiflung (nicht arbeitslos zu werden) und dennoch eine Absage kassieren!
Ja, so was passiert mit unseren österreichischen Fachkräften, leider kein Witz, sondern bitterer Ernst!

Der Wahnsinn des angeblichen Fachkräftemangels wird jeden Tag aufs Neue als Verschwörung mit Hintergrund Lohndumping durch Personalleasing/Personalvermittlungsfirmen; welche laut Insidern sogar Kandidaten von Bewerbungsverfahren ausschließen können wenn jemand vor einigen Jahren eine Absage beim selben Kunden hatte(recht dreist wenn man bedenkt, dass ein Bewerber inzwischen mehrere Jahre Berufserfahrung besitzen könnte also quasi Veteranen Fachkraft-Status) und wirtschaftliche Ausbeutung von Arbeitskräften begehen zu können enttarnt.

Die Wirtschafskammer sagt es gibt einen Fachkräftemangel, man fragt sich langsam welche Lüge als nächstes nach dem angeblichen Fachkräftemangel in Österreich von der WKÖ  aus dem Hut gezaubert?

Benjamin Heinrichs abschließend "Der Wahrheitsmangel seitens WKÖ
wird nicht wahrer umso mehr man auf einen Fachkräftemangel pocht, der nur als Mittel zum Zweck dient, Zuwanderung zu forcieren sowie das Pensionsantrittsalter astronomisch zu erhöhen.
Diese Institution sollte sich was schämen, denn man beraubt mit solchen Aussagen den leistungsorientierten und engagierten Fachkräften echter Hoffnungen!"

Quelle
APA-OTA Aussendung: _"KURIER"-Kommentar von Michael Bachner: "Arbeit geht nicht aus"

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